Kein einzelner Agent, sondern ein Netzwerk von Spezialisten
Der häufigste Fehler ist, sich Joule als einen einzigen Alleskönner-Assistenten vorzustellen. Die Realität ist anders: SAP hat eine Multi-Agenten-Architektur gebaut, in der jeder Joule Agent auf eine präzise Geschäftsfunktion spezialisiert ist — Finance, Supply Chain, Service Management, HR — statt alles einem einzigen Generalisten-Agenten zu überlassen.
Die Logik ist dieselbe wie in einem echten Unternehmen, wo man nicht dieselbe Person bittet, die Bilanz abzuschließen und eine Lieferantenretoure zu bearbeiten: Es braucht unterschiedliche Fähigkeiten. Der Vorteil dieses Ansatzes ist, dass sich jeder Agent tief in seiner eigenen Domäne spezialisieren kann, statt in allem mittelmäßig zu sein.
Joule als Orchestrator
Über dem Netzwerk spezialisierter Agenten fungiert Joule als zentraler Orchestrator. SAP beschreibt diese Rolle als „Dirigent“: Er zerlegt eine komplexe Aufgabe in Teilaufgaben, wählt für jede den passendsten Agenten aus und koordiniert den gesamten Arbeitsablauf.
Menschen bleiben in der Rolle des „Komponisten“: Sie definieren das Ziel und die Einschränkungen, während Joule die Ausführung orchestriert. Es ist ein Modell, das zwei Verantwortlichkeiten sauber trennt — was getan werden muss (Mensch) und wie koordiniert wird, wer es tut (Joule) — und so die manuelle Überwachung reduziert, ohne die Kontrolle zu verlieren.
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Die zwei Protokolle, die alles zusammenhalten: A2A und MCP
Zwei offene Standards machen diese Architektur möglich. Der erste ist Agent2Agent (A2A), das Protokoll, das SAP als bevorzugten Standard für Multi-Agenten-Zusammenarbeit und Interoperabilität zwischen Anbietern übernommen hat: Es ermöglicht einem Agenten, eine Aufgabe zu delegieren, einen anderen Agenten nach seinen Fähigkeiten zu fragen und Informationen strukturiert auszutauschen, unabhängig vom Framework, mit dem er gebaut wurde.
Der zweite ist das Model Context Protocol (MCP), Anthropics Standard, der regelt, wie ein Agent externe Werkzeuge entdeckt, versteht und mit ihnen interagiert. SAP nutzt es intern, um Joule Agents semantisch angereicherten Zugang zu den Geschäftsfähigkeiten von SAP zu geben — nicht nur Rohdaten, sondern bereits strukturierten Kontext darüber, was diese Daten für den Geschäftsprozess bedeuten.
Wo sich die Agenten integrieren
Joule Agents integrieren sich nativ mit SAP S/4HANA, SAP SuccessFactors, SAP Business Data Cloud, SAP Concur, SAP Customer Experience und SAP Business Network. Das ist der Kern des SAP-Ökosystems, dort, wo die gewichtigsten Prozesse leben.
Aber die Architektur endet nicht an den Grenzen von SAP: Externe Plattformen wie Google Cloud, Microsoft Azure, AWS und IBM Cloud können Joule Agents über ein dediziertes Agent Gateway nutzen oder sich direkt von Joule orchestrieren lassen. Es ist eine Architektur für ein Unternehmen mit mehreren Systemen, nicht nur reinem SAP.
Warum diese Architektur für die Adoptionsentscheidung zählt
Diese Struktur zu verstehen, verändert die Art, wie man ein Joule-Agenten-Projekt bewertet. Sie kaufen nicht „einen intelligenteren Chatbot“: Sie übernehmen eine Architektur aus spezialisierten, orchestrierten Agenten, die ein gemeinsames Protokoll sprechen (A2A) und über ein weiteres gemeinsames Protokoll (MCP) auf Ihre Systeme zugreifen.
Das bedeutet, dass die eigentliche Implementierungsarbeit nicht „Joule aktivieren“ ist, sondern zu entscheiden, welche Agenten Sie brauchen, auf welchen Prozessen, mit welchen Grenzen der Autonomie. Das ist die Frage, die wir gemeinsam mit unseren Kunden in jedem SAP-Joule-Agenten-Projekt angehen.